Geschichten

 

 

Der alte Brunnen

 

Der alte Brunnen spedet leise,

sein Wasser täglich gleicherweise.

Ich möchte diesem Brunnen gleichen,

was in mir ist, stets weiter reichen.

 

Doch geben, geben alle Tage,

sag Brunnen wird das nicht zur Plage?

Da sagt er mir als Jochgeselle:

"Ich bin ja Brunnen nur - nicht Quelle."

Mir liesst es zu - ich geb es weiter,

das macht mein Dasein froh und heiter.

 

So leb ich nach des Brunnen Weise,

schöpf täglich Kraft zur Lebensreise,

und will - beglückt - stets weitergeben,

was mir die Quelle schenkt zum Geben.

 

 

Hans Carossa 1910

 

 

 

 

'Seit ich gelesen habe, wie schädlich das Rauchen ist,
hab ich mir das Lesen abgewöhnt'

 

 

 

 

 

 Freiheit

  

Elefanten werden in Indien trainiert, indem man junge Tiere mit schweren
Eisenketten an mächtige Bäume kettet. Nach und nach reduziert man die Stärke der
Eisenketten; schließlich lassen sich die Elefanten, nun ausgewachsene große
Tiere, mit einem dünnen Seil an Äste anbinden, die nicht dicker als ein
Weihnachtsbaum sind. Der Elefant ist nicht in der Lage zu entkommen, denn er hat
eine Programmierung in seinem Geist-Körper, die ihn glauben macht, er sei in
einem Gefängnis, respektive die Ketten seien unzerreißbar.

 

 Eine Programmierung in seinem Geist-Körper, die ihn glauben macht, er sei in

einem Gefängnis, respektive die Ketten seien unzerreißbar.

 

 

 


Leuten, die mit Fischen experimentieren tun folgendes:

Die Fische werden manchmal voneinander getrennt, indem man Trennwände aus Glas in die großen Tanks einfügt. Nach einiger
Zeit kann man die Trennwände entfernen; die Fische schwimmen so weit, wie es die Trennwände erlaubten, aber nicht weiter, denn in Ihrem Geist-Körper befolgen sie eine Festlegung  bis hierher und nicht weiter.

 

 

Lasst uns nie müde werden, unsichtbare Trennwände und Ketten zu überprüfen und Freiheit zu erlangen.

 

 

 

 

Das Leben ist zu kurz für ein langes Gesicht

 

Aus: Nossrat Peseschkion

 

"Wenn du willst, was du noch nie gehabt hast, dann tu, was du noch nie getan hast."

 

Szene 1:

Ich gehe die Strasse entlang.

Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.

Ich falle hinein.

Ich bin verloren... Ich bin ohne Hoffnung.

Es ist nicht meine Schuld.

Es dauert endlos, wieder herauszukommen.

 

Szene 2:

Ich gehe dieselbe Strasse entlang.

Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.

Ich tue so, als sähe ich es nicht.

Ich falle wieder hinein.

Ich kann nicht glauben, schon wieder

am gleichen Ort zu sein.

Aber es ist nicht meine Schuld.

Immer noch dauert es lange, herauszukommen.

 

Szene 3:

Ich gehe dieselbe Strasse entlang.

Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.

Ich sehe es.

Ich falle immer noch hinein.....aus Gewohnheit.

Meine Augen sind offen.

Ich weiss, wo ich bin.

Es ist meine eigene Schuld.

Ich komme sofort heraus.

 

Szene 4:

Ich gehe dieselbe Strasse entlang.

Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.

Ich gehe darum herum.

 

Szene 5:

Ich gehe eine andere Strasse.

 

 

 

 

 

 

 

"Die Zwei Wölfe"

 
Eines Abends erzählte ein alter Cherokee-Indianer seinem Enkelsohn
von einem Kampf, der in jedem Menschen tobt.

Er sagte: "Mein Sohn, der Kampf wird von zwei Wölfen ausgefochten,
die in jedem von uns wohnen."

Einer ist böse.

Er ist der Zorn, der Neid, die Eifersucht, die Sorgen, der Schmerz,
die Gier, die Arroganz, das Selbstmitleid, die Schuld, die Vorurteile,
die Lügen, die Minderwertigkeitsgefühle, der falsche Stolz, und das
Ego.

Der andere ist gut.

Er ist Freude, der Friede, die Liebe, die Hoffnung, die Heiterkeit,
die Demut, die Güte, das Wohlwollen, die Zuneigung, die
Großzügigkeit, die Aufrichtigkeit, das Mitgefühl und der Glaube.

Der Enkel dachte einige Zeit über die Worte seines Großvaters
nach, und fragte dann: "Welcher der beide Wölfe gewinnt?"

Der alte Cherokee antwortete: "Der, den du fütterst."

 



 

 

Rückkehr zur Liebe

von Marianne Williamson

 

"Unsere tiefste Angst ist es nicht, dass wir der Sache nicht gewachsen sein könnten.

Unsere tiefste Angst ist, dass wir unermesslich mächtig sind.

Es ist das Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit.

Wir fragen uns:

Wer bin ich eigentlich, dass ich leuchtend, hinreißend, begnadet und phantastisch sein darf?

Aber wer bist du denn, dass du es nicht sein darfst?

Du bist ein Kind der Schöpfung.

Wenn du dich klein machst, dient das der Welt nicht.

Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun, wenn du dich begrenzt, damit Andere um dich herum sich nicht verunsichert fühlen.

Du wurdest geboren, um die Ehre der Schöpfung zu verwirklichen, die in uns ist.

Sie ist nicht nur in Einigen von uns - sie ist in jedem Menschen.

Und wenn wir unser Licht erstrahlen lasssen, geben wir unbewusst auch den anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun.

Wenn wir uns von unserer Angst befreit haben, wird unsere Gegenwart ohne unser Zutun Andere befreien."

 

 

 

Kontakt: mail an e.k.gruber@web.de

Geschichte

"Good morning, Sir!"

Der Kellner strahlte über das ganze Gesicht. Ich hatte das Gefühl, als sei deser Mann heute nur für mich aufgestanden.

Mit leuchtenden Augen sah er mich an.

 

"Coffee?"

Ja, gerne Kaffee. Die Konferenz in London war spannend. Heue begann der dritte und letzte Tag.

 

Ich bin nicht der Typ, der morgens um halb neun schon die ganze Welt umarmen könnte. Aber diese Truppe hier am Frühstücksbuffet des Kongresshotels steckte mich mit ihrer Fröhlichkeit sofort an.

 

"Coffe for you, Sir!"

Der Kellner war so um die 30 und kam aus Jamaika. Oder jedenfalls war ich in dem Moment überzeugt, er käme aus Jamaika. Er reichte mir den frisch zubereiteten Kaffee, als wäre dies sein persönliches Geschenk für mich.

 

"Have a nice day!"

Dieser Satz weckte dann doch meinen Widerspruchsgeist! Klar würde ich einen schönen Tag haben. Ich schon. Die Konferenz machte Spaß. Er dagegen müsse hier den ganzen TAg Kaffee machen und zu allen nett sein. Ziemlich mies, oder?

 

"Oh no, Sir!"

Der Kellner aus Jamaika - oder von wo auch immer - widersprach mir heftig. Er würde einen genauso schönen Tag haben wie ich, versicherte er, und strahlte dabei wie ein Röntengerät. Denn er sei den ganzen Tag dafür da, dass Leute wie ich sich wohl fühlten. Das sei auch eine Berufung, sagte er stolz.

 

Ich lächelte zurück. Jetzt hatte ich nicht nur gute Laune, sondern war auch beeindruckt.